Erweiterungsbausteine

ControlStar

Zentrale Leittechnik

Die Module der Netzleittechnik setzen auf den SCADA-Funktionen auf und sind anwendungs­bezogen weitgehend kombinierbar. Hier werden alle Module für den Einsatz für Energieversor­gungsnetze sowie die Erweiterungsmodule für Gas-, Wasser- und Fernwärmenetze beschrieben.

Topologieerkennung
Erdschlusssuche
Fehlerortung
Schaltprogramme
Funktionen für Mittelspannungsnetze
Lastprognose
Bezugskostenoptimierung - Strom
Dispositive Lastführung mit Rundsteueranlagen
Netzsicherheitsrechnungen
Lastflusssimulation
Schaltungssimulation
Ausfallrechnung
Kurzschlussrechnung
Ersatznetzberechnung


Topologieerkennung

Die Topologieverarbeitung ermittelt aus den aktuellen Zuständen von Schaltern und Potential­punkten den Versorgungszustand der einzelnen Leitungen eines Netzes. Dazu wird das Netz in einzelne Leitungsabschnitte unterteilt und ein Topologiedatenmodell erstellt. Die möglichen Versorgungs­zustände werden in den Prozessbildern durch entsprechende Einfärbung unter­schieden, wie z.B. spannungslos oder geerdet. Mit Hilfe der Strangeinfärbung können auch die Topologiezustände auf Strängen transparent dargestellt werden. Hierzu vererbt jede Sammelschiene in jeden Strang eine Farbe hinein.

Erdschlusssuche

Nach einem Erdschlussereignis werden die aktuellen Zustände der Erdschlussrichtungsrelais ausge­wertet, der Fehlerort nach Möglichkeit eingegrenzt und die Ergebnisse visualisiert. Die ange­zeigten Richtungen der Relais sind in den Netzbildern beispielsweise über Pfeile an den Leitungen darstellbar. Die Richtungsrelais werden automatisch rückgesetzt.

Fehlerortung

In Strangnetzen kann mit Hilfe der erweiterten Topologie auch eine Fehlerortung durchgeführt werden.

Schaltprogramme

Schaltprogramme bieten die Möglichkeit, Standardschaltungen im Netzbetrieb (z. B. Abzweig EIN/AUS) einschließlich der notwendigen Verriegelungsbedingungen und Berück­sichtigung von Laufzeiten nach einmaliger Projektierung und Prüfung beliebig oft abzurufen. Häufig wieder­kehrende Schaltprogramme z. B. zum Schalten eines genormten Feldes werden einmal definiert und lassen sich dann auf alle Felder gleichen Typs und mit gleichen Verriegelungsbedingungen anwenden.

Der Aufruf von Schaltprogrammen ist ereignisgesteuert, zeitgesteuert oder von Hand möglich. Sie können an beliebiger Stelle angehalten, fortgesetzt oder abgebrochen werden. Jeder Schalt­schritt wird auf Erfolg geprüft und führt beim Misslingen zum Abbruch.

Funktionen für Mittelspannungsnetze

Zur Verwaltung von nachgeführten Betriebsmitteln in Mittelspannungsnetzen werden z. B. folgende Funktionen vom Netzleitsystem bereitgestellt:

Lastprognose

Aufgabe einer Prognose ist es, den zeitlichen Verlauf einer nicht deterministischen Größe vorher­zusagen, also z. B. den Lastgang über bestimmte Zeitintervalle unter Berücksichtigung von Einfluss­faktoren wie Tagestypen, meteorologischen Daten usw. zu prognostizieren.

Für derartige Anwendungen hat sich der Einsatz künstlicher neuronaler Netze (KNN) als sehr effizient herausgestellt, da sie sehr schnell Ergebnisse mit guter Genauigkeit liefern. Lösun­gen auf Basis von KNN gehen davon aus, dass sich in den bekannten Vergangenheitsver­läufen Gesetzmäßigkeiten repräsentieren, die zwar nicht explizit formulierbar sind, von deren Gültigkeit und Übertragbarkeit auf die Zukunft man jedoch überzeugt ist. Der zukünftige Verlauf ergibt sich mit guter Genauigkeit aus den implizit in den Altdaten kodierten Gesetzen und aktuellen sowie geschätzten zukünftigen Hilfs­größen, wobei die Prognosen sich allmäh­lichen Veränderungen der Verbrauchereigenschaften und des Lastverhaltens anpassen.

Ein Prognoseverfahren auf Basis von KNN ist also ein System, das durch Training in die Lage versetzt wurde, anhand bekannter Daten den zeitlichen Verlauf einer Größe vorher­zusagen. Es erweist sich gegenüber herkömmlichen algorithmischen Verfahren als über­legen. KISTERS hat durch Beteiligung an entsprechenden Forschungsvorhaben sehr früh die Vorteile des Einsatzes von KNN erkannt und das Verfahren in einer Software-Komponente für die Prognose von Energieverläufen (Strom, Gas, Fern­wärme usw.) branchenspezifisch zur Einsatzreife entwickelt. KNN ist damit heute auch für die ControlStar-Einbindung verfügbar
click and seeErgebnisdarstellung der Netzlastprognose

Bezugskostenoptimierung - Strom

Zielsetzung der Optimierung ist ein gleichmäßiger Strombezug mit Einhaltung des Bezugsmaximums in jeder Verrechnungsperiode durch:
Die Optimierung wird durch eine Übergabeleistungsregelung realisiert. Mögliche Verrech­nungsperioden betragen 15, 30 und 60 Minuten. Das in der Regel vom Vorlieferanten bereit­gestellte Verrechnungs­periodensignal wird überwacht und bei Ausfall nachgebildet. Die Optimierungs­rechnung ermittelt die bis zum Ende der Verrechnungsperiode konstant beziehbare Leistung und vergleicht diese mit dem momentanen Leistungsbezug. Tritt eine Differenz auf, so wird versucht, diese durch Schaltung von Verbrauchern zu korrigieren.

Vor Schaltung eines Verbrauchers werden verschiedene Prüfungen vorgenommen, z. B. Die Eigenschaften der Verbraucher sind im Datenmodell eingetragen. Dieses ist online änderbar. Die Visualisierung der Optimierung erfolgt über:

Dispositive Lastführung mit Rundsteueranlagen

Zur Lastführung in elektrischen Netzen werden Rundsteueranlagen eingesetzt. Über sie werden langfristig festgelegte, zyklisch wiederkehrende oder spontane, aus dem Lastverlauf des Netzes abgeleitete Schalthandlungen durchgeführt. Durch Zu- bzw. Abschaltungen von Erzeugern und Verbrauchern abhängig von der Zeit oder der aktuellen Lastsituation kann der Lastverlauf beeinflusst und somit das Netz wirtschaftlicher betrieben werden.

Die dispositive Lastführung ist eine ControlStar-Systemfunktion, die diese Aufgabe wahr­nimmt und dadurch ein herkömmliches separates Rundsteuerkommandogerät ersetzen kann. Die Ausführung von Rundsteuerkommandos kann initiiert werden durch: Die Visualisierung erfolgt über:

Netzsicherheitsrechnungen

Mit Hilfe der Netzsicherheitsrechnungen werden der aktuelle Netzzustand bestimmt und mögliche Störfälle vorbeugend analysiert. Darüber hinaus werden für zukünftig geplante Schaltzustände und Lastsituationen die resultierenden Lastflüsse und Verluste im Netz berechnet.

Lastflusssimulation

Zur Berechnung eines simulierten Netzzustandes wird die Lastflussrechnung eingesetzt. Sie benötigt als Eingangsgrößen Schalterstellungsmeldungen und Stufenstellungen sowie Einspeise- und Lastwerte und ermittelt aus diesen Werten alle Knotenspannungen, Flüsse, Ströme und Verluste. Bei Über­lastungen, Spannungsbandverletzungen oder beim Erreichen der zulässigen Blindleistungsgrenzen spannungsregelnder Generatoren werden Warnungen ausge­geben. Die Eintragsgrößen können entweder dem Ergebnisdatensatz der State Estimation oder einem archivierten Prozessdatenabbild entnommen werden. Das Last­fluss­programm basiert auf dem entkoppelten Lastfluss nach Stott. In Sonderfällen, wie z. B. Stadtnetzen und Industrie­netzen mit hohem Kabelanteil, wird ein Lastflussprogramm nach Newton-Raphson eingesetzt.

Schaltungssimulation

Die Schaltungssimulation ist aus den Dialogfeldern zur Betriebsmittelschaltung erreichbar und auf diese Weise komfortabel und schnell zu bedienen. Der angestrebte Schaltzustand wird simuliert und der Lastfluss inklusive aller Knotenspannungen, Ströme und Verluste mit Hilfe der Lastflussrechnung ermittelt.

Ausfallrechnung

Mit der Ausfallrechnung wird die (n-1)-Ausfallsicherheit des Netzes berechnet und überwacht. Es wird automatisch eine Liste der zu untersuchenden Ausfallvarianten (z. B. Leitungs- oder Sammel­schienen­ausfälle) erzeugt, wobei eine manuell geführte Liste sowie die absolut und relativ am höchsten belasteten Betriebsmittel berücksichtigt werden. Vor Ausfallvarianten, die zu Überlastung oder Netz­zerfall führen, wird gewarnt. Es können auch mehrere Betriebsmittel als ausgefallen angenommen werden.

Kurzschlussrechnung

Mit der Kurzschlussrechnung können die zulässigen Kurzschlussleistungen und -ströme im Netz überwacht werden. Zur Berechnung von symmetrischen (dreipoligen) und unsymme­trischen Kurzschlüssen nach VDE 0102 stehen zwei Verfahren zur Verfügung.
Einmal kann die Berechnung nacheinander für alle Kurzschlussorte (Sammelschienen) in einem Rechenlauf erfolgen. Die Kurzschlussgrößen werden für die einzelnen Fehlerstellen sowie die jeweils angrenzenden Betriebsmittel berechnet und mit den erlaubten Maximal­werten verglichen, die durch die betreffenden Leistungsschalter gegeben sind.
Im anderen Fall wird ein Kurzschlussort an einer beliebigen Sammelschiene des Netzes vorge­geben. Es werden die daraus resultierenden Teilkurzschlussströme und Leistungen in allen Netzzweigen, die Kurzschlussspannungen an allen Sammelschienen sowie Abkling­faktor, Dauerkurzschlussstrom usw. berechnet. Bei unsymmetrischem Kurzschluss werden die Ströme und Spannungen phasenweise ausgegeben.

Ersatznetzberechnung

In der Ersatznetzberechnung werden die messtechnisch nicht beobachtbaren Fremdnetze online reduziert, d. h. in Form von Ersatzzweigen und -einspei-sungen berücksichtigt. Ist durch den Ausfall von Messungen ein Teil des eigenen Netzes nicht mehr beobachtbar, so kann auch dieses Gebiet durch die online-Ersatznetzberechnung substituiert werden.

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