Einsatzleitung und -überwachung integriert in das Netzleitsystem
Einsatzleitung und -überwachung integriert in das Netzleitsystem
Unternehmenszusammenschlüsse oder das Zusammenführen von Organisationseinheiten bzw. Netzbereichen innerhalb von Unternehmen der Energieversorgung haben oft zur Folge, dass die von einer Leitstelle zu betreuenden Versorgungsnetze größer und die zugeordneten Aufgaben umfangreicher und komplexer werden. Langjährig erfahrene Mitarbeiter, die ihre bisher betreuten Netze bzw. Regionen mit den jeweils oft diffizilen technischen oder geografischen Besonderheiten wie ihre Westentasche kannten, stehen infolge derartiger Maßnahmen oft nur noch eingeschränkt, teilweise gar nicht mehr zur Verfügung. Hier bietet die KISTERS AG in Verbindung mit ihrem Netzleitsystem ControlStar neue, integrierte Funktionen zur Einsatzleitung und -überwachung in den Sparten Strom und Gas, Wasser und Fernwärme an, mit denen die Arbeitsabläufe bei Bau-, Reparatur- und Instandhaltungsdiensten deutlich rationalisiert werden können. Sie stellen eine wesentliche Unterstützung beim Personal- und Ressourceneinsatz für den Netzaußendienst dar und erfüllen die Anforderungen sowohl in größeren kommunalen als auch in weiträumig verteilten Energienetzen.
Einsatzleitsysteme- was steckt dahinter?
Einsatzleitsysteme grenzen sich klar von Workforce Management Systemen ab, bei denen für große mobile Außendienstorganisationen eine ständige rollierende Verplanung und Kontrolle der Ressourcen mit dem Ziel eines optimalen Mitteleinsatzes durchgeführt wird. Ein Einsatzleitsystem hingegen nutzt die im Umfeld des Netzleitsystems verfügbaren Kommunikationsmedien, bietet Dispositionshilfen, vereinfacht die Arbeitsabläufe, strafft den Informationsaustausch zwischen der Netzleitstelle und den Außendienstmitarbeitern und stellt eine möglichst lückenlose, papierarme und weitgehend automatisierte Dokumentation über alle durchgeführten Schritte von der Beauftragung bis zum Abschluss der Arbeiten sicher. Die daraus resultierenden Vorteile liegen auf der Hand:
Lenkung von Störungen und geplanten Aktivitäten zum aktuell ’richtigen’ Personal.
Effiziente Disposition von Personal und Ressourcen.
Schnelle Abarbeitung der Störung.
Weniger Nacharbeit durch automatisierte Dokumentation.
Geringere Fehlerrate, höhere Sicherheit.
Ein Einsatzleitsystem erhöht die Wirtschaftlichkeit des Außendienstes und trägt wesentlich dazu bei, die derzeitige hohe Versorgungsqualität in den Netzen zu erhalten und die Kundenbindung durch guten Service zu festigen.
Einsatzleitsysteme- die Anwendung
In allen größeren Versorgungsnetzen besteht – mindestens bei Störfällen – die dringende Notwendigkeit, Aufträge unverzüglich und direkt an den ’richtigen’ Mitarbeiter des tagesdynamisch verteilten mobilen Außendienstes zu übermitteln. Der Techniker muss einerseits die richtige Qualifikation aufweisen und sollte andererseits den jeweiligen Einsatzort mit möglichst geringer Anfahrzeit erreichen können. Bei Gasversorgungsnetzen muss ein Außendienstmitarbeiter einen Störungsort innerhalb von 30 Minuten nach Störungsmeldung erreicht haben. Darüber hinaus ist bei größeren Störfällen meist eine zeitnahe Verteilung oder Umverteilung von Fahrzeugen mit Spezialgeräten im Netz erforderlich.
Dieses Anforderungsprofil wird durch ortbare Einsatzfahrzeuge in Kombination mit Informations-Schnittstellen zum bidirektionalen Datenaustausch zwischen Fahrzeug und Netzleitstelle sowie ggf. der direkten Zugriffsmöglichkeit auf die Bereitschaftsliste der Außendienstmitarbeiter erfüllt.
Die Fahrzeuge
Die Ausrüstung der Fahrzeuge umfasst einen GPS- Empfänger zur Positionsbestimmung, ein GPRS-Modul für den mobilen Datenaustausch, ein Navigationssystem zur Zielortführung sowie einen Kartenleser für die Mitarbeiteridentifikation. - Um den Datentransfer und die Sprachkommunikation von kommerziellen Providern zu entkoppeln, kann hierfür auch ein Funkmodul zum Datenaustausch über das firmeneigene Funknetz zum Einsatz kommen. Ein weiterer Vorteil wäre die freie Erweiterungsmöglichkeit bzgl. der Nachrichtenumfänge durch Fortfall der Begrenzung in der Übertragungskapazität. -
Zyklisch, z. B. alle zwei Minuten senden die Fahrzeuge automatisch ihre Positionsdaten, ergänzt um die Informationen Identifikationskennung (ID) des Mobilsystems, Fahrzeugtyp, Fahrzeugkennzeichen, Zustand der Fahrzeugzündung (an / aus) und Daten der Chipkarte über GPRS an ein zentrales GPS-Ortungssystem, bestehend aus einem WEB-Server mit angeschlossener Datenbank. Im Rahmen der Kommunikationsprozedur wird ein für dieses Fahrzeug bzw. den dort angemeldeten Mitarbeiter vorliegender Arbeitsauftrag aus der Datenbank an das Fahrzeug übertragen und im Display des Navigationssystems angezeigt. Die Informationen umfassen ID des Mobilsystems, Auftragsnummer, Anlagenname, Auftragsart (Notfall, Standard), Ort, Strasse und Hausnummer sowie die Koordinaten des Einsatzortes, wobei die Lagedaten der Stationen und Anlagen (im Gauß-Krüger Format) jeweils der Betriebsmitteldatenbank des Leitsystems entnommen werden. Bei Auftragsannahme durch positive Quittierung beginnt über das Navigationssystem die Zielführung zum Auftragsort. Die Ankunft am Zielort wird dem Web-Server durch eine entsprechende Eingabe-Meldung des Außendienstmitarbeiters im Rahmen des nächsten Übertragungszyklus bekannt gegeben. Die Fertigmeldung nach Abschluss der Arbeiten am Einsatzort wird in gleicher Weise übermittelt.
Netzleitsystem und Einsatzleitsystem
Das Leitsystem
Die Darstellung der Fahrzeuge im Leitsystem ControlStar ist wahlweise im Schemaplan oder in einer georeferenzierten Netzdarstellung möglich, wobei die Anzeige der dynamischen Lage im jeweiligen Weltbild stets relativ zu drei nach bestimmten Kriterien ausgesuchten nächstgelegenen Stationen und Anlagen und damit in beiden Darstellungsvarianten des Versorgungsnetzes so ortsrichtig wie möglich erfolgt. Die Daten zur lagerichtigen Anordnung der Fahrzeuge ermittelt das Leitsystem aus den zyklisch übergebenen Daten (Koordinaten im WGS84 Format) des GPS-Ortungssystems. Um eine Überdeckung von Stationen nach Zielerreichung zu vermeiden, werden die Fahrzeugsymbole mit einem definierten Versatz zum richtigen Lageort angezeigt. Die Genauigkeit der Fahrzeugpositionierung hängt hierbei natürlich von der Qualität der vorhandenen Gauß-Krüger Koordinaten der einzelnen Betriebmittel ab. Die Anzeige der Fahrzeuge erfolgt nur auf Anfrage, wodurch eine kontinuierliche Überwachung des Mitarbeiters vermieden werden soll.
Es können beliebige Fahrzeugsymbole, z.B. auch zur Unterscheidung verschiedener Einsatztypen verwendet werden. Über die Dynamisierung der Symbole lässt sich der jeweilige Zustand der Fahrzeuge darstellen, wie z.B. Farbe ROT für ’Auftragsabarbeitung’ und Farbe GRÜN für ’Frei für Aufträge’. Der Fahrzeugtyp sowie die quasistatischen Mitarbeiter- und Fahrzeugdaten werden in einer eigenen Applikation gepflegt. Diese kann auf einem beliebigen Rechner des Netzleitsystems, also beispielsweise auf der redundanten Betriebsmitteldatenbank angesiedelt werden.
Die Anwendung
Durch Anwahl eines Fahrzeugsymbols erhält der Mitarbeiter der Netzleitstelle in einem separaten Fenster neben den eher statischen Fahrzeug- und Mitarbeiterdaten weitere Informationen wie aktuelle Entfernung des Fahrzeugs von den nächstgelegenen Stationen und Anlagen, sowie Details zum aktuellen Zustand der Auftragsabwicklung. Hierzu gehören z. B. ’Fahrzeug frei’, ’Auftrag verschickt’, ’Auftrag angekommen’, ’Auftrag angenommen’, ’Auftragsort erreicht’ etc.. Bei Anwahl eines Fahrzeugs ’Frei für Aufträge’ kann die Beauftragung durch Eingabe eines Stationsnamens oder einer Stationskennung des gewünschten Auftragsortes erfolgen. Zur Klartexterläuterung der Aufgabe steht ein separates Eingabefeld zur Verfügung. Durch Betätigung des Sende-Buttons wird der Auftrag über das Ortungssystem an das gewählte Fahrzeug übertragen. Die Fertigmeldung nach Abschluss der Arbeiten am Einsatzort bewirkt die automatische Löschung der Auftragsdaten des jeweiligen Fahrzeugs im Leitsystem. Es steht nun für die Übertragung neuer Aufträge bereit.
Netzausschnitt mit Einsatzfahrzeugen
Um im Störungsfall auch direkt auf das dem Einsatzort am nächsten befindlichen Fahrzeug zugreifen zu können, lässt sich ausgehend von einem Eintrag im Betriebstagebuch auf eine Fahrzeugliste verzweigen, in der die Einsatzfahrzeuge nach der Entfernung zur betroffenen Station oder Anlage aufgelistet sind. Durch Kopieren des Störungseintrages aus dem Tagebuch in die Auftragsliste des räumlich nächsten freien Fahrzeuges wird aus der Störung unmittelbar eine Einsatzbeauftragung. Die Annahme des Auftrages durch das gewählte Fahrzeug wird zeitlich überwacht und bei Zeitüberschreitung alarmiert.
Sind die Fahrzeuge zusätzlich mit einem Tablet-PC ausgestattet ergibt sich als weitere Anwendung die Möglichkeit der weitgehend eigenständigen Abarbeitung von geplanten Schaltaufträgen für Wartungs- und Reparaturarbeiten durch den mobilen Außendienst. Dabei werden nach entsprechender Beauftragung durch die Netzleitstelle Schaltschritte gemeinsam mit zugehörigen aktuellen Ausschnitten des Netzbildes einzeln und sequenziell an das Fahrzeug übertragen. Jeder Schaltschritt wird nach seiner Ausführung durch den Außendienst mittels Quittung bestätigt und löst damit automatisch die entsprechende Nachführung der Betriebsmittel im Netzleitsystem sowie die Übertragung der nächsten Bedienhandlung mit topologisch aktuellem Teilnetzbild an das Fahrzeug aus. Erst nach Durchführung aller Schaltschritte, z. B. zur Freischaltung eines Leitungsabschnittes, erhält der Außendienstmitarbeiter im Anschluss an die Überprüfung des erzielten Netzzustandes durch das Leitstellenpersonal die Verfügung für den Netzabschnitt. Alle Bedienhandlungen und Schaltmaßnahmen werden im Leitsystem protokolliert und führen so zu einer lückenlosen Dokumentation des durchgeführten Auftrages.
Einsatzleitsysteme- ihr Nutzen
Eine zentrale, stets auf aktuellen Daten basierende Disposition, Einsatzplanung und -verfolgung macht es möglich, die Personal- und Ressourceneinsätze im Netz zu optimieren. Damit steigt die Flexibilität und sinken die Reaktionszeiten. Die weitgehend autarke Abarbeitung von Schaltaufträgen mit direkter Nachführung der Schalthandlungen im Leitsystem tragen wesentlich zur Effizienzsteigerung der Arbeitsabläufe bei und bringen sowohl in der Netzleitstelle als auch im Außendienst erhebliche Arbeitserleichterungen. Der weitgehend automatisierte, papierarme Ablauf der Arbeiten führt zu einer deutlichen Verringerung der sonst erforderlichen Papierflut. Die Mitarbeiter stehen ohne den ungeliebten, nachzuarbeitenden „Schreibkram“ unmittelbar für neue Aufgaben zur Verfügung. Zugesicherte Reaktionszeiten können besser eingehalten werden, die Versorgungssicherheit steigt. Der für Koordinierung und Verwaltung erforderliche Overhead wird reduziert.
Die beschriebenen Funktionen zur Einsatzleitung im Netzleitsystem ControlStar werden aktuell in einem Projekt umgesetzt. Sie können jederzeit in anderen derartigen Systemen nachgerüstet werden.