Paradigmenwechsel im IT gestützten Gefahrenmanagement.
Trotz der anhaltenden Diskussion über Umfang und Zeitpunkt der Umsetzung des Global Harmonized System (GHS) sowie der künftigen EU-Chemiekaliengesetzgebung (REACh) ist es unstrittig, dass diese Gesetze wesentliche Änderungen und neue Vorgangsweisen im Bereich Gefahrenmanagement mit sich bringen werden.
Selbstverständlich wird sich dieser Wandel in den IT-Lösungen zur Umsetzungsunterstützung fortsetzen müssen. Die resultierenden Modifikationen und die künftigen Anforderungen an softwarebasierte Lösungen im Gefahren- und Produktmanagement werden zunehmend konkret und vorausschauende Software-Anbieter tun gut daran, ihre Lösungen zeitnah zur Gesetzesentwicklung umzustellen.
Seit mehr als 15 Jahren optimieren KISTERS Systeme die betriebliche Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen. Die Produktfamilie WAUplus bietet heute alle notwendigen Komponenten einer unternehmensweiten EHS Anwendung. Die Module für das Gefahrstoff- und Gefahrgutmanagement, für Abfall, Arbeitsschutz und Produktsicherheit bilden neben umfangreichen Datenbeständen und Schnittstellen zu ERP-Systeme die Basis zur Erfüllung aller gesetzlichen und organisatorischen Anforderungen. Mit dieser Kompetenz wird KISTERS auch bei der Ausrichtung des betrieblichen Gefahrenmanagements auf GHS und REACh eine führende Rolle spielen.
Global Harmonized System - viel Wandel für mehr Einheitlichkeit
GHS dient dazu, Chemikalien weltweit einheitlich einzustufen und zu kennzeichnen. Die bestehenden Systeme wie
UN-Transportempfehlungen
EU-System (Stoff- und Zubereitungsrichtlinien)
Canadian Requirements for Workplaces, Consumers and Pesticides
US Requirements for Workplaces, Consumers and Pesticides
werden durch das neue GHS ersetzt. Eine Übernahme oder Einbindung der bestehenden Systeme ist aufgrund der unterschiedlichen Konzepte nicht oder nur mit wesentlichen Einschränkungen möglich. Dies hat massive Folgewirkung auf die bestehende Einstufung von Zubereitungen in der EU.
Neben einer komplett neuen Einstufung/Kennzeichnungsmethodik und den daraus resultierenden veränderten Ergebnissen werden auch keine R-Sätze mehr zur Klassifizierung genutzt. Hinzu kommt, dass das GHS neue Gefahrstoffsymbole einführt. Auch werden Anpassungen innerhalb des Gefahrgutrechts notwendig, wobei die Veränderungen sich vom bestehenden ADR-Recht nicht so erheblich unterscheiden. Einige gravierende Veränderungen wie die Aquatische Umweltgefährdung sind noch nicht endgültig entschieden, werden aber voraussichtlich im Gefahrgutrecht 2007 oder 2009 umgesetzt. Auch in diesem Bereich des Gefahrenmanagements ist aufgrund der dann unzureichenden Datenlage mit erheblichen Aufwänden und Kosten zu rechnen.
Vorteile des GHS sind aus heutiger Sicht:
Weltweit einheitliche Einstufungskriterien (giftig in EU = giftig in USA)
Weltweit einheitliche Kennzeichnungselemente
Weltweit einheitliches Sicherheitsdatenblatt
Zentrales UN Experten Komitee zur Betreuung des GHS
Handelserleichterungen im globalen Warenverkehr
Was sind nun die Folgen für die bestehenden IT-Lösungen?
Vorhandene Berechnungsmodule für die Einstufung/Kennzeichnung von Stoffen und Zubereitungen müssen ergänzt bzw. überarbeitet werden.
Mit den neuen Symbolen werden angepasste Etikettenmodule benötigt.
Die vorhandenen Sicherheitsdatenblätter müssen überarbeitet werden.
Und was sind die Folgen für die vorhandenen Datenbestände?
Aufgrund der neuen Einstufungsgrenzen (z. B. Flammpunkt) müssen alle Einstufungen/Rezepturen auf Basis einer neuen Datendefinition der Gefahrstoffe neu eingestuft werden.
Für die Erstellung von Sicherheitsdatenblättern werden künftig wesentlich mehr Informationen in den Bereichen Gesundheitsgefahren und Toxizität benötigt; dies gilt auch für das Gefahrgutrecht.
Durch die neuen Klassifizierungen wird die Anzahl der künftig zu klassifizierenden Stoffe um bis zu 82 % steigen. (Quelle VCI)
Daraus resultiert, dass nicht nur die bisherigen Anwender von Gefahrstoffinformationssystemen mit neuen Anforderungen und erheblichem Aufwand an Zeit und Geld zu rechnen haben, auch der Kreis derer, die solche Systeme zur Bewältigung der Aufgaben einsetzen müssen, wird sich wesentlich erweitern.
Die KISTERS AG, die mit dem Softwareprodukt WAUplus seit mehr als zehn Jahren praxisbewährte IT-Unterstützung in die Unternehmen bringt, hat die neuen Herausforderungen aufgenommen und wird die bestehende Software an die neuen Anforderungen anpassen. Für die Kunden bedeutet dies den problemlosen Übergang auf REACh und GHS.
Mit dem nächsten Update (Herbst 2005) wird KISTERS für WAUplus ein geändertes Klassifizierungsmodul bereitstellen, das neben der Einstufung / Kennzeichnung nach den derzeit geltenden Regelungen auch nach GHS Recht Zubereitungen einstufen kann und somit den Kunden frühzeitig bei der Einführung unterstützt.
REACh - Registrierung, Evaluation, Autorisation von Chemikalien - die künftige EG-Chemikaliengesetzgebung
Die Dokumentation von Stoffen, Zubereitungen und Produkten wird durch REACh wesentlich erweitert werden. Darüber hinaus werden Informationen zur Herstellung und Verwendung, Leitlinien zur sicheren Verwendung, Tests und Studien bis zu der Erstellung eines Stoffsicherheitsberichtes notwendig. Im Gegensatz zu der bisherigen Regelung, dass nämlich die Erstellung beispielsweise eines Sicherheitsdatenblattes am Ende der Produktionskette steht, müssen zukünftig alle Stoffe und Zubereitungen vor (!!) Produktionsbeginn bei der Europäischen Agentur für chemische Stoffe registriert sein, einschließlich Angaben über Produktionsort, Produktionsart sowie Mengen. An der geplanten zu produzierenden Jahresmenge richten sich auch die Datenanforderungen aus und zwar nach dem Grundsatz: je höher die Produktionsmenge desto umfangreichere Informationspflichten bis hin zu Daten über chronische Toxizität, Organ- und Systemtoxizität, Karzinogenität, Mutagenität, Teratogenität und Ökotoxizität. Registrierungspflichtig sind Hersteller und Importeure, die einen Stoff in einer Menge von einer Tonne oder mehr pro Jahr herstellen oder importieren.
Schon aus dieser kurzen Übersicht über die geplanten Änderungen ist abzuleiten, dass die in den bestehenden Gefahrstoffinformationssystemen vorhandenen Daten nicht ausreichen, um die vorgesehenen Registrierungsanforderungen zu erfüllen.
WAUplus wird in vielen Unternehmen bereits integriert mit den ERP-Systemen eingesetzt. Es stehen Standardschnittstellen zu den Produkten aller führenden ERP Anbietern wie SAP®, Navision®, RSW-ORGA, proALPHA® etc. zur Verfügung. Der Umfang der Integration wird mit den Kunden individuell festgelegt und richtete sich nach deren Anforderungen.
Integriertes Gefahrgutmanagement und Transportabwicklung sind neben der REACh Problematik ein weiteres Thema, in dem KISTERS mit seinen Lösungen und Datenbeständen führend ist.
Produkt-/Stoffinformationssysteme jetzt und zukünftig
Derzeit werden in den Unternehmen eine Vielzahl von Informationssystemen zur Verwaltung und Bearbeitung von Gefahrstoffen, Zubereitungen und Produkten eingesetzt. Auch die Erstellung der Dokumente wie Sicherheitsdatenblätter wird meist schon automatisiert durchgeführt.
Im zukünftigen Abwicklungskomplex verbinden sich hohe Anforderungen an die Datenqualität mit Informationen über Mengen, Lieferanten, Verwendungszwecke und der Registrierung von Zubereitungen und Stoffen und machen so den Einsatz kooperationsfähiger Systeme, eingebunden in den Geschäftsprozess, notwendig. Wenn künftig ein Produktionsbeginn vom Vorliegen aller erforderlichen Daten und der durchgeführten Autorisierung der Dokumentenerstellung abhängt, stellt das Anforderungen an das Datenmanagement, die Einzelplatzlösungen oder einfache CD-Anwendungen nicht mehr erfüllen.
Die derzeit im Einsatz befindlichen WAUplus Komponenten decken die wesentlichen Anforderungen an moderne, flexible und leicht zu handhabende IT-Lösungen ab. Die Softwaremodule stehen als klassische Client-Server-Lösung und als Browser-Lösung zur Verfügung und sind damit intranet-/ internetfähig.
Die Produkt-/Stoffinformationssysteme der neuen Generation gewinnen Kontur:
Wo heutige Lösungen die Erstellung von Sicherheitsdatenblätter für verschiedene Rechtsräume (SDS, MSDS) anbieten, wird es durch GHS nur noch ein Sicherheitsdatenblatt geben. Landesspezifische Informa-tionen werden durch die globale Lösung ersetzt.
Die zu pflegenden Datenbestände werden wesentlich umfangreicher. Hinzu kommt, dass z. B. Verwendungszweck(e) bei der Produktion und über alle Verarbeitungsschritte festgelegt werden sollen. Die KISTERS AG hat gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen eine Datenbank (IGS) entwickelt, in der alle gefahrstoff- und gefahrgutrelevanten Daten einschließlich ihrer Quellen erfasst, validiert und gepflegt werden. Diese Datenbank wird künftig um die zusätzlich notwendigen Informationen erweitert.
Die Registrierung von Zubereitungen und Stoffen erfordert neue Prozeduren bei der Beschaffung, Validierung und Erstellung der Dokumente. Es wird unumgänglich sein, künftig die verwendeten Daten nachzuweisen, d. h. nur zertifizierte und qualifizierte Daten zugrunde zu legen.
Globalisierung der Märkte bedeutet auch Globalisierung der Daten. Ein wichtiges künftiges Merkmal einer sinnvollen IT-Lösung wird die Mög-
lichkeit sein, direkt aus der Anwendung heraus Daten und Informationen aus bestehenden Fachdatenbanken bereitzustellen.
Einstufungsmodule werden wesentlich flexibler und transparenter sein.
Fazit
Im Zuge der Umsetzung des neuen Rechts wird jedes Unternehmen die Effektivität und Effizienz des Fachpersonal-Einsatzes durch leistungsfähigere IT-Werkzeuge optimieren müssen, um die wachsenden Anforderungen umzusetzen und konkurrenzfähig zu bleiben. Denn - wie der kurze Abriss des Themas zeigt - im Bereich Produktsicherheit stehen wir vor neuen Herausforderungen und die Neuregelungen betreffen im Unternehmen alle Bereiche und Mitarbeiter: vom Lagerarbeiter über die Produktsicherheitsfachkraft bis hin zur Geschäftsführung.
Mit den Überlegungen und den entsprechenden Maßnahmen zur Datenbeschaffung und zur Umstellung der IT-Lösungen muss jetzt begonnen werden, um spätestens 2008 gerüstet zu sein. Mehr noch: es ist davon auszugehen, dass die Anforderungen an weltweit produzierende und liefernde Unternehmen wesentlich früher herangetragen werden. Denn Länder, die bisher keine Gefahrstoff-/Gefahrgutregelungen kannten, werden direkt GHS zeitnah umsetzen, woraus für Importeure die Pflicht zur Lieferung der entsprechenden Dokumente wie Sicher-
heitsdatenblätter und Etiketten entsteht.
Haben Sie weitere Fragen? Wenden Sie sich direkt an Klaus Mehler